Politik

Die total kaputte Zivilgesellschaft

| Armut

Das Kapital hat mehr Anhänger und Gläubige als jede andere Religion. Für Geld machen wir alles. Ob es unsere Oma ist, die wir für ein paar Euro verkaufen würden oder ob wir den Ascheimer für ein paar Cent ausleeren dürfen. Geld ist unser erhabenster Gott. Wenn wir auf Nahrungsmittel spekulieren, freuen wir uns über die hohen Preise in den Supermärkten und die Millionen Hungertote in den armen Ländern. Denn je höher die Nahrungsmittelpreise sind, desto höher sind unsere Gewinne. Der Markt ist heilig und darf nicht vom Staat reguliert werden, da der Staat dem Satan gleicht, zumindest für die Spekulanten. Aber im Laufe der Zeit haben wir es geschafft, den Markt von den fesseln des Staates zu lösen. Was früher verboten war, ist jetzt erlaubt. In Zukunft wird der Staat nur noch nötig sein, die Loser der Gesellschaft in Schach zu halten, damit sie nicht rebellieren. Also mehr Polizei, mehr Gefängnisse und weniger soziale Sicherheiten. Je ärmer die Bevölkerung wird, desto mehr muss das System gegen Aufständische vorgehen, um den Staat zu erhalten. Natürlich ist das ein Nullsummenspiel, denn wenn die sozialen Sicherungssysteme zerstört werden, muss man mehr Geld in Polizei und Gefängnisse investieren. Ausserdem braucht unsere Wirtschaft immer möglichst viele Arbeitslose, damit man die Löhne niedrig halten kann, denn wenn es für die Arbeitsplätze nicht so viele Bewerber gibt, muss man höhere Löhne bezahlen. Es ist immer gut, wenn die Bewerberzahlen zwei bis dreistellig sind. Das ist der Grund, warum in einem Niedriglohnland eine hohe Arbeitslosigkeit existiert. Unsere Wirtschaft ist also auf eine hohe Arbeitslosenzahl angewiesen, weil sie sich seit langem weigert, höhere Löhne zu zahlen. Unsere Regierung betreibt Kosmetik bei der Arbeitslosenzahl und schummelt sie niedriger als sie ist. Dazu wird noch behauptet, dass unserer Wirtschaft Arbeitskräfte fehlen. So werden wir ständig aufs Kreuz gelegt und verarscht. Wenn der Regelsatz bei Hartz 4 steigen würde, würden die Geringverdiener höhere Löhne verlangen oder halt kündigen. Deswegen ist die Höhe der Hartz 4 Leistungen viel zu gering bemessen worden, um die Niedriglöhner zu zwingen, für möglichst wenig Geld zu arbeiten. Die Hartz 4 Leistungen reichen für ein normales Leben nicht aus. Die Berechnung für den Regelsatz werden künstlich zu niedrig angesetzt, obwohl sie genau wissen, wenn die Armut ansteigt, muss der Staat mehr Polizeiaufgaben wahrnehmen und mehr Gefängnisse bauen, was sehr teuer ist. Sie behaupten, sie müssten sparen und deshalb sei der Regelsatz so niedrig. Aber sie sparen nichts denn für die Sicherheit muss entsprechend mehr Geld bezahlt werden (mehr Gefängnisse, mehr Polizisten, mehr Überwachung und mehr Geheimdienste). Das führt langfristig zu einem Überwachungs- und Polizeistaat. Orwell's 1984 läßt grüßen. Und aus einem Polizeistaat kann irgendwann ein faschistischer Staat werden. Die AFD schneidet wegen der größeren Armut in Deutschland, die von Schröder forciert wurde, besser ab als eine rechtextreme Partei in den 80er Jahren. In den 80er Jahren hatten wir noch nicht diese extrem weit verbreitete Armut wie heutzutage. Ich denke, je ärmer eine Bevölkerung wird, desto mehr Stimmen erhalten die rechten Parteien. Wer also gegen Nazis ist, sollte auch gegen Armut sein, da beides miteinander zusammenhängt. Je weniger Armut es gibt, desto weniger stark sind die rechtsextremen Parteien.

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